Raum für Aktionen, Menschen und Ideen

Ausstellungen

I am text block. Click edit button to change this text. 

Konzerte

I am text block. Click edit button to change this text. 

Lesungen

I am text block. Click edit button to change this text. 

Kleinkunst

I am text block. Click edit button to change this text. 

Seminare

I am text block. Click edit button to change this text. 

Galerie

I am text block. Click edit button to change this text. 

11. September 2021

1. Sulzer Kulturtag

EntdEcken

Click edit button to change this text. Lorem ipsum dolor sit amet, consectetur adipiscing elit.

zeigen

Click edit button to change this text. Lorem ipsum dolor sit amet, consectetur adipiscing elit.

Staunen

Click edit button to change this text. Lorem ipsum dolor sit amet, consectetur adipiscing elit.

Unter dem Gähnenden Stein
(Sulz 1848–1948)

Fahne der Sulzer Bürgerwehr, Bauernfeind Museum Sulz Foto: Ulrike Steinbrenner, Fahne der Bürgerwehr, Bauernfeind Museum Sulz

1. Zehn Uhr: Revolution!

Sulz, Dienstag, 26. September 1848, 22 Uhr.

Genau über dem Treppenaufgang zum „Schwanen“ war schon seit Monaten ein großes Loch in der Traufe und konzentriertes Regenwasser hatte einen beachtlichen Graben vor der ersten Stufe ausgeschwemmt. Der Oberförster Kuno von Uexküll-Gyllenband, nach drei Maß Bier, stieg also vorsichtig, vorsichtig (!) auf den an dieser Stelle stockdunklen Marktplatz hinunter. Die Zeiten waren schlecht, also würden Traufe, Loch und Dunkelheit noch eine ganze Weile so bleiben. Aber es gibt welche, die sind wirklich schlimm dran, dachte Kuno. Schließlich hatte er vor einem Jahr die Bürgerwehr gegründet, weil all die Vaganten, Diebe und Arbeitslosen den Sulzern Angst machten. Und jetzt hatte er selbst Angst, der Herr Kommandant!

Er ging hinüber zur Viehtränke. Typisch, ich genau dazwischen, schoss es ihm durch den Kopf. Rechterhand im Rathaus brannte Licht, im Oberamt links war alles dunkel. Der Oberamtmann Herbort schlief sicher den Schlaf des Gerechten. Aber nein, er musste es doch auch schon gehört haben. Vielleicht stand er sogar hinterm Fenster, wie vor ein paar Monaten, am 22. März, als der Pöbel ihm die Scheiben einwarf und er sich nicht nach draußen traute, um die Ordnung wiederherzustellen. Ja, nicht einmal den Landjäger oder den Ausscheller hatte er benachrichtigt, als Uexküll-Gyllenband ihn in seiner Wohnung aufsuchte. Kuno musste die Krakeeler allein besänftigen.

Und wer war noch im Rathaus? Vermutlich der Skribent Mühlhäuser, der arbeitete an einer neuen Proklamation! Oder doch sein Chef, Stadtschultheiß Pfäfflin? Seit dem Frühjahr war das Rathaus das Hauptquartier der Demokraten, außerhalb der Stammtischzeiten wenigstens. Und die Sulzer Bürger hatten sich mit ganzer Kraft, wie es schien, der Revolution hingegeben. Hatten Petitionen verfasst und unterschrieben, was sehr mutig war; hatten sich an den Wahlen beteiligt, sich heiser diskutiert, Volksversammlungen und Märsche absolviert, Freiheit, Arbeit und eine neue Verfassung verlangt, sowie die Abschaffung geistlicher, adliger und militärischer Privilegien.
Der Oberamtmann, überwältigt vom Elan der Revolution, wusste nicht, wo ihm der Kopf stand: mal lief er mit Heckerhut den Radikalen hinterher, mal zeigte er sie bei der Kreisregierung an.

Und heute hängt schon wieder alles an mir, dachte Kuno. Seit einer halben Stunde wusste er, dass sich etwa 300 bewaffnete Revolutionäre, in der Mehrzahl aus Schramberg und Oberndorf, auf dem Weg nach Sulz befanden. Nach dem Vorbild der zweiten badischen Revolution wollten sie in Stuttgart endlich Nägel mit Köpfen machen.

Sie seien unter allen Umständen aufzuhalten, sagte die Regierung.

Sollte der Oberförster Uexküll-Gyllenband seine Bürgerwehr gegen die Revolutionäre stellen? Dumm nur, dass viele von ihnen auch bei der Bürgerwehr waren und sie 150 Gewehre führten, dazu Sensen, umgedengelt zu Lanzen, und Mistgabeln! Die Sulzer waren eine eher behäbige Truppe, alles andere als furchteinflößend. Aufhalten könnten sie keinen Vereinsausflug, geschweige denn die Herren Held, Moser, Jegglin. Was für eine Blamage! Noch hatte die Revolution in Sulz niemandem das Leben gekostet. Aber Befehlsverweigerung war ein Kapitalvergehen. Bis heute hat Herbort meine Wahl zum Bürgerwehrkommandanten nicht gegengezeichnet, dachte Kuno grimmig, und jetzt soll ich für ihn die Kastanien aus dem Feuer holen?

Was würde der Oberförster tun?

Teil 2: Vor Gericht​

Ein Jahr später, Stuttgart, Donnerstag, 27. September 1849.

„Diese verflixte Sulzer Bagage!“, schimpfte der Gerichtsgehilfe Schlothbeck. „Jetzt zeigen die sich gegenseitig an, damit alles noch verworrener wird!“ „Zeig‘ mal her“, sagte der Oberskribent Tannbaur. Er las die Anzeige des Oberamtmanns Herbort gegen den Oberförster Uexküll-Gyllenband mit einem gewissen professionellen Wohlgefallen. „Kompliment, die Herren Streithähne! Die wissen genau, je mehr Steine sie ins Wasser schmeißen, desto trüber wird es.“ „Und die Schöffen werden wieder sagen, da war doch nix, die haben doch nur versucht, die Leute zu bändigen“, piepste der Schlothbeck, der immer ganz rasch erfasste, aus welcher Richtung der Wind wehte. „Ja, die Schöffen! Die Revolution ist vorbei, aber die Schöffen, die gibt’s immer noch, und es hagelt Freisprüche. Aber Befehlsverweigerung! Bin gespannt, wie er das morgen wegerklärt, der Uexküll mit drei Ü.“

„Unter uns, ich hab‘ mir den Uexküll heute mal vorgeknöpft“, sagte der Richter Armbruster und drehte sein Viertele Schlachthäuser Trollinger kennerhaft zur Kerze, welche das Blutrot so recht zur Geltung brachte. „Werd‘ aber nicht schlau aus ihm. Ab in die Schellen.“
„Was ist denn da so schwer zu verstehen? Der Herbort hat ihn angezeigt wegen Feigheit, und das triffts! Durch!“ Der Pastor Schubbig ließ sich auch am Honoratiorenstammtisch von keinem an Königstreue übertreffen. Auch nicht beim Binokel. „Aber Sie wissen ja nur die Hälfte“, begann der Armbruster, wurde aber von Apotheker Bäuerkes „Her mit der Sau!“ jäh unterbrochen. „Spielen wir oder politisieren wir?“ Sie spielten.

Zwölf Stunden später war Richter Armbruster leicht verkatert und immer noch nicht schlauer. Der Oberförster Uexküll-Gyllenband stand kerzengerade in seiner Uniform, die Bandschnalle des „Ordens der Württembergischen Krone“ dezent, aber unübersehbar, über der rechten Brusttasche. Den als Staatsanwalt agierenden Justizadjunkt beachtete er gar nicht, sprach nur zu den Schöffen. „Ich musste ja auf alle Fälle ein Blutbad vermeiden. Die Sulzer Bürgerwehr durfte erst gar nicht ausrücken. Wäre sie ausgerückt, hätte sie sich 300 Gewehren gegenübergesehen. Und hätte sie sich ergeben, was hätten die Leute gelacht! Also: auf keinen Fall ausrücken.“

„Ach, deshalb sind Sie…“, Armbruster ging ein Licht auf. Uexküll-Gyllenband nickte. „Der Zufall hat mir geholfen. Als ich so an der Viehtränke stand und grübelte, kam die Nachtpost angerasselt. Natürlich, der Nachtpostwagen nach Stuttgart! Wenn der Kommandant nicht da ist … also stieg ich ein. Nicht mal meiner Frau konnte ich Bescheid sagen. Kein Kommandant, kein Zusammenrufen der Bürgerwehr, keine Befehlsverweigerung, kein Ausmarsch, keine Blamage, kein Blutvergießen“. „Aber ihr, euer eigenes Ansehen“, warf der Richter ein. „Hat gelitten,“ sagte der Oberförster trocken und schaute zur Schöffenbank.

Teil 3: Cäsars Köche

Sulz, Dienstag, 26. September 1848, 22:30 Uhr.

Schon von weitem hatte er sie singen hören: „Und sperrt man mich ein im finsteren Kerker.“ „Ihr könnt’s wohl nicht erwarten“, knurrte der Oberamtmann Herbort hinter seinem Schlafzimmervorhang. Da kamen sie in Reih und Glied, die Herren Revolutionäre aus Schramberg, Dunningen, Winzeln und Oberndorf. ‚Nachts um halb elf, das ist Ruhestörung‘, dachte Herbort automatisch, ‚wo bleibt der Uexküll? Wo steckt überhaupt die Bürgerwehr?‘ „Ich denk‘, was ich will“, dröhnte es trotzig herauf, „und was mich beglücket; doch alles in der Still“, da kam das „Kompanie: Halt!“, des Anführers. ‚Sapperment, der Jegglin! Natürlich!‘ Der Jegglin war alles, was der Oberamtmann nicht war: ein Mordstrumm Mann, geborener Anführer, demokratisch gewählt, trinkfest, beliebt bei den Leuten und eine Schwertgosch; Wirt des „Schützen“ dazu. Herbort wusste nicht, ob er sie bewundern sollte oder hassen: den Jegglin und den Förstergrafen.

Offensichtlich war alles gut organisiert. Auf dem Brunnentrog stand der Apotheker Johann Baptist Bauernfeind und dirigierte. ‚So wie der wieder aussieht, würde kein Mensch von ihm eine gebrauchte Kutsche kaufen!‘, dachte der Spion hinterm Fenster. Neben ihm, unter der Lampe, der dürre Mühlhäuser, mit Papieren fuchtelnd. Und, Herbort traute seinen Augen nicht, eine Menge Sulzer, welche die Marschierer bei sich einquartieren wollten.

Vor dem „Ochsen“ am Rande des Marktplatzes, stand Konstantin Schäller und wollte gerne mitmachen. Schon im März war er bei jeder Volksversammlung dabei gewesen, und er hätte die nachgerade berühmte Sulzer Petition auch unterschrieben, wenn er denn hätte schreiben können. Der „Konde“, wie sie ihn hier nannten, konnte aber nicht schreiben. Er hatte mit 13 als Pferdeknecht im Dienst eines russischen Fähnrichs seine ostpreußische Heimat verlassen und war nach dessen unrühmlichem Tod einfach in Sulz geblieben. Der frisch beförderte Oberfähnrich hatte im Suff ein Bad im Neckar nehmen wollen und, wie so viele jedes Jahr, das „Flüsschen“ sträflich unterschätzt. Jetzt betrieb der Konde ein Fuhrgeschäft, aber nach erst dreißig Jahren in einem winzigen Häuschen in der Vorstadt lebend und mit einem „Bankert“, war er keineswegs respektabel eingebürgert. Den „Bankert“ hatte seine Magdalena in die Ehe gebracht, Benefiz Bippus. Der Pfarrer hatte die Stirn gerunzelt, gab sich aber zufrieden, als die Magda ihm erklärte, sein Großvater habe Bonifaz geheißen, sei aber immer Benefiz gerufen worden. Der Konde und die Magda waren gut zueinander gewesen. „Alle Jahr ein Kind, bis es fünfundzwanzig sind“, hatten sie bei der Hochzeit gesungen. Aber die Magda hatte sich nicht an die Abmachung gehalten und war nach dem siebten gestorben. Er hatte nicht mehr heiraten wollen. Manchmal ging er zur Witwe Bollinger.

Als es 11 schlug, standen nur noch wenige Bürger zur Aufnahme bereit, und als der Name des Reallehrers Lang vom Mühlhäuser verlesen wurde, meldete sich der Konde dann doch. Der Mühlhäuser zögerte einen Moment und sah zum Bauernfeind hinüber; der zuckte mit den Achseln: Wir sind jetzt alle Demokraten, sollte das wohl heißen. Der Mühlhäuser nickte und trug in die Liste ein, der Lang schulterte Gewehr und Rucksack und verschwand mit dem Konde in der Nacht.

Fortsetzung folgt...

Autor:

Klaus Schätzle, geb. 1948
Lokalhistoriker mit ausgeprägter Schwäche für „Geschichte von unten“

SIE MÖCHTEN UNS HELFEN?

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, uns zu helfen, unser Anliegen zu verbreiten und die Kulturtage durchzuführen.

Vielleicht haben Sie Kontakte oder Erfahrung in der Durchführung von Events. Oder Sie können uns am Sulzer Kulturtag ein paar Stunden beim Auf- oder Abbau helfen. Es finden sich sicher Wege, wie Sie uns unterstützen können. Nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Falls Sie unsere Aktionen finanziell unterstützen möchten, werden wir bald bekanntgeben, über welches Spendenkonto das möglich sein wird.

Sie sind kreativ tätig und möchten endlich wieder ein Publikum? Melden Sie sich, wir unterstützen Sie dabei.

NEWSLETTER

Immer informiert mit unserem Newsletter

Unser Newsletter erscheint in unregelmäßigen Abständen, ist kostenlos und Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Damit wir Ihnen unseren Newsletter zusenden können, muss das mit einem * gekennzeichnete E-Mail-Feld ausgefüllt werden.

Lesen hierzu auch unsere Datenschutzerklärung.

Ich möchte mich für den Newsletter anmelden

Unsere Partner

Kontakt

Adresse:

Kölreuterstraße 2
72172 Sulz am Neckar

E-Mail:

initiative@kulturhaus-sulz.de