Gustav Bauernfeind der Orientmaler

Die nationale und internationale Bedeutung des Orientmalers Gustav Bauernfeind lässt sich sehr einfach an den Versteigerungserlösen für seine prachtvollen Gemälde ermessen. Beispielhaft wurde bei Sotheby‘s in New York im Februar 2024 das großformatige Ölgemälde „Klagemauer mit vielen Gläubigen“ für 3,36 Mio. US-Dollar versteigert. Internationale Kunstsammler schätzen, dass Bauernfeinds fotografisch genaue Darstellungen unschätz-bare Einblicke in eine, für uns fremde Welt zeigen, wie sie in der 2. Hälfte des 19. Jahrhundert ausgesehen hat.

Familie

Nach den handschriftlichen Aufzeichnungen des Vaters Johann Baptist Bauernfeind wurde sein Sohn Gustav am 4. September 1848 um 1 Uhr in der Früh als fünftes Kind in Sulz am Neckar geboren.

Der Vater kam aus Waldsassen in der Oberpfalz. Er übernahm 1836 die Apotheke am Sulzer Marktplatz und wohnte mit seiner Familie im ersten Stock des gleichen Hauses. Seine Mutter Anna Maria war eine geborene Adrion vom Adrionshof in Oedenwald bei Freudenstadt. Durch sein politisches Engagement während der Revolution 1848/1849 wurde Johann Babtist Bauernfeind wegen Hochverrats auf der Festung Hohen-Asperg 2 ½ Jahre in Untersuchungshaft eingesperrt, bis er im Februar 1852 freigesprochen wurde.

Ausbildung und Beruf

Gustav Bauernfeind durfte als einzig überlebender Sohn studieren. Während des Architekturstudiums erarbeitete sich die Basis im geometrischen und im Zeichnen mit der freien Hand. Als Architekt war er jeweils ein Jahr bei Prof. Wilhelm Bäumer in Wien und bei Prof. Adolf Gnauth in Stuttgart beschäftigt.

Buchillustration

Durch Vermittlung seines Mentors und späteren Freundes Gnauth, erhielt er vom Engelhorn-Verlag in Stuttgart Aufträge zur Illustration der Prachtbände von Woldemar Kaden „Italien. Eine Reise von den Alpen bis zum Ätna“ und „Das Schweizerland. Eine Sommerfahrt durch Gebirg und Tal“. Insgesamt sind in diesen beiden Bänden 106 Holzstiche von Gustav Bauernfeind enthalten, die nach seinen Zeichnungen angefertigt wurden. Die Zeichnungen entstanden überwiegend während seiner Reisen in diese beiden Länder. Mit diesen frühen Arbeiten konnte er sich als Künstler bereits einen Namen machen.

Einstieg in die Ölmalerei

Mit Gustav Schönleber und Ludwig Dill freundete sich Bauernfeind während der Arbeiten als Buchillustrator bei den Besprechungen im Engelhorn-Verlag an. Gemeinsam unternahmen sie 1877 eine dreimonatige Reise nach Chioggia, südlich von Venedig. In dieser Zeit entstanden seine frühesten Ölgemälde.

Orientreisen

Zu seiner ersten, 14monatigen Orientreise startete er im April 1880. Sie führte ihn über Ägypten in den Libanon zu seiner Schwester Emilie, die mit ihrer Familie in Beirut lebte. Die längste Zeit dagegen verbrachte er in Jerusalem. Seine Eindrücke von der langen Reise hielt er in unzähligen Zeichnungen und Aquarellen vor Ort fest. Erst in seinem Münchner Atelier verarbeitete er seine Vorarbeiten zu prachtvollen Ölgemälden aus dem Orient.

Im Oktober 1884 führte ihn seine 2. Orientreise zuerst für einen kurzzeitigen Aufenthalt nach Beirut und anschließend nach Damaskus. Nach einem langen Aufenthalt in Palästina beendete er seine längste Orientreise glücklich nach drei Jahren am 22. September 1887. Neben seinem unerschöpflichen Reichtum an Anstößen für neue Gemälde, hatte er bei dieser Reise zusätzlich noch das große Glück, seine spätere Ehefrau, Elise Bertsch in Hardegg`s Hotel Jerusalem in Jaffa kennenzulernen.

Am 2. November 1888 traf Bauernfeind zu seinem 3. Orientaufenthalt in Jaffa ein. Zuerst besuchte er wieder seine Schwester in Beirut. Nach ein paar Tagen Aufenthalt reiste er mit der Postkutsche in 14 ½ Stunden weiter nach Damaskus. Diese Orientreise ist von allen am besten dokumentiert, da er seiner Braut versprochen hatte, ein Tagebuch zu führen, dem er akribisch nachkam. Am 5. Juni 1889 kehrte er heim, um sich in Baden-Baden zu vermählen.

Insgesamt befand sich Bauernfeind vier Jahre und drei Monate auf seinen Orientreisen.

Umzug nach Jerusalem

Aus finanziellen Gründen zog Bauernfeind 1896 mit seiner Frau Elise und ihrem einzigen Kind Otto Konstatin nach Jerusalem in die Templersiedlung um. In den letzten Jahren vor seinem Tod, am 24. Dezember 1904, widmete er sich überwiegend der Landschaftsmalerei. Auf dem Templerfriedhof in Jerusalem fand er seine letzte Ruhestätte.
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Gustav Bauernfeind der Orientmaler

  • Verlag: Hauswedell-Verlag
  • ISBN: 978-3-7762-2105-3
  • Seiten: 344
  • Erscheinungsdatum: 30.11.2021
  • Einband:  Hardcover mit Fadenheftung
  • Abbildungen: 271 farbige und schwarz-weiße
  • Autor: Richard Weinzierl